Besuch vor der Kamera bei NMC Giga 2005
Als Kind habe ich gezeichnet. In der Jugend wurde ich irgendwann „Kopierer“ oder „Alf“ genannt, weil ich fast alles abzeichnen konnte, was mir vor die Nase kam. Dass ich irgendwann etwas Kreatives studieren würde, lag deshalb ziemlich nahe.
Wobei ich zwischendurch durchaus andere Ideen hatte. BWL hat mich interessiert, Sozialpädagogik ebenfalls. Am Ende wurde es Kommunikationsdesign an der Hochschule Mannheim, damals noch Fachhochschule für Technik und Gestaltung.
Nach dem Studium ging es erst einmal in die klassische Kreativwelt. 2004 entstand mein Diplomfilm „Good Game – Die Welt des E-Sports“. Danach folgten Stationen bei „Anixe HD“, der „TEMA AG“ in Aachen, vier Jahre bei „NMC s.a.“ in Belgien und ab 2012 die Leitung von Marketing und Design bei „AmpliTrain“ in der Region Mannheim.
Ich habe viele Jahre sehr gerne kreativ gearbeitet. Ich habe konzipiert, gestaltet, fotografiert, gefilmt, geschnitten und Geschichten erzählt. Aber irgendwann merkte ich, dass aus dem, was ich liebte, etwas geworden war, das mich zunehmend auslaugte. Ich sagte zu selten Nein. Ich gab zu viel und nahm Projekte manchmal wichtiger als mich selbst. 2016 habe ich deshalb einen ziemlich radikalen Schnitt gemacht. Kreativität sollte nicht mehr mein täglicher Broterwerb sein.
2017 begann ich, für einen jungen Mann mit SMA zu arbeiten, zunächst noch über einen Pflegedienst. Heute im Rahmen des s.g. "Persönlichen Budgets". Er sitzt im Elektrorollstuhl und ist bis heute sportlich aktiv.
Gleich am Anfang brauchte er Unterstützung bei einer Crowdfunding Aktion für einen neuen Sportrollstuhl. Also machte ich Videos, half bei der Gestaltung und setzte mich mit Begeisterung dafür ein, dass möglichst viele Menschen davon erfahren und mitmachen. Und plötzlich war ich wieder kreativ. Nur diesmal war es etwas anderes. Ich arbeitete nicht für eine Agentur oder ein Unternehmen, sondern für einen Menschen und eine Sache, die mir wichtig waren.
Je weiter ich mich von meiner alten beruflichen Welt entfernte, desto stärker wurde eine persönliche Frage: "Was mache ich jetzt eigentlich kreativ weiter?"
Ich hatte mich bewusst aus der kreativen Festanstellung verabschiedet. Gleichzeitig merkte ich, dass ich meine Kreativität nicht einfach an der Garderobe abgeben konnte. Vielleicht musste ich sogar erst einmal meine Beziehung zu meinem inneren Künstler wieder heilen. Also entstand die Idee, einen YouTube Kanal aufzubauen. Nur worüber?
Persönlicher Assistent seit 2017
www.youtube.com/mutbringer
Elektrorollstuhl Fußball (Powerchair Football)
Die Antwort lag am Ende ziemlich nahe. Auch ich brauchte damals Mut, meinem Leben eine neue Richtung zu geben. Also wurde aus der Idee „Mutbringer“.
Ein Kanal über Menschen, ihre Geschichten und die Dinge, die uns manchmal den Mut geben, selbst etwas zu verändern. Ich wollte Menschen kennenlernen, mit ihnen sprechen und herausfinden, was hinter ihren Geschichten steckt. Daraus entstanden Interviews und Gespräche mit Menschen, die etwas erlebt, bewegt oder verändert haben.
Und dann kam medienberauscht
Ein paar Jahre später entstand die Idee für einen zweiten Kanal. Diesmal ging es um eine meiner ältesten Leidenschaften: Filme, Serien und Geschichten. Warum faszinieren uns bestimmte Geschichten? Warum funktionieren manche Figuren und andere nicht? Was erzählen Filme eigentlich über uns selbst? So entstand „medienberauscht“.
Zwei Kanäle, die auf den ersten Blick unterschiedlich sind, für mich aber durchaus zusammengehören. Bei „Mutbringer“ stehen Menschen und ihre Lebensgeschichten im Mittelpunkt. Bei „medienberauscht“ sind es Filme, Serien und die Geschichten, die wir uns erzählen.
Und dann war da noch der Sport
Durch meine Arbeit kam ich immer stärker mit dem Behindertensport in Berührung. Besonders Powerchair Hockey und Elektrorollstuhl Fußball haben mich dabei begeistert. Auch beim Verein Torpedo Ladenburg bin ich seit Jahren kreativ und unterstützend dabei. Ich habe Plakate gestaltet, Videos produziert und bei verschiedenen Projekten geholfen.
Irgendwann kam noch etwas dazu, womit ich selbst nicht unbedingt gerechnet hatte: das Mikrofon. Heute begleite ich als Hallensprecher die Spiele von Torpedo Ladenburg und stehe bei Veranstaltungen und Sportevents vor Publikum.
Heute bin ich wieder kreativ. Ich gestalte, fotografiere, filme, schneide, zeichne, führe Interviews, mache YouTube und stehe auf der Bühne.
Aber ich mache das anders als früher. Kreativität muss für mich nicht mehr ständig funktionieren. Sie muss nicht immer wirtschaftlich sinnvoll sein und auch nicht jedes Mal ein Auftrag werden. Ich kann mir aussuchen, woran ich arbeiten möchte, welche Menschen ich kennenlernen möchte und welche Geschichten mich interessieren.
Vielleicht war der Schritt aus der kreativen Festanstellung deshalb gar kein Abschied von meiner Kreativität. Vielleicht musste ich nur erst herausfinden, wie ich mit ihr leben möchte.
Event Moderation des Filmfestivals "Zum Goldenen Hirsch - der Große Endhirsch“
Peter vor der Kamera :) für "Mutbringer" und "medienberauscht"